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Das müssen Sie tun, um mit Ihrem Aktiendepot jeden Crash zu überstehen

Leider gehören Kursstürze mit erheblichen Buchverlusten zum Leben eines langfristig orientierten Anlegers. Dagegen können Sie nichts tun. Ob, und wie schnell sich Ihre Aktien wieder erholen, hängt jedoch nicht vom Schicksal ab, sondern davon, wie viele Fehler Sie gemacht haben.

Gäbe es eine Methode, um kommende Aktienkurseinbrüche korrekt vorherzusagen, könnte ich mir diese Zeilen sparen. Aber es gibt sie nicht. Nach mehr als 25 Jahren an den Aktienmärkten habe ich schon einige Kursstürze erlebt. Aber noch nie wurde ich vorgewarnt. Weder meine Bank noch die Fachmedien haben jemals gesagt: "Achtung, Achtung, die Aktienmärkte stehen kurz vor dem Kollaps, verkaufen Sie alles!" Und das wird auch in Zukunft nie passieren.

Klar, es gibt die Crashpropheten, sie warnen im Halbjahrestakt vor der Apokalypse. Einer davon ist Marc Faber. Wahrscheinlich haben Sie auch schon von ihm gehört. Ich habe ihn mal persönlich kennengelernt. Ein hochintelligenter Mann mit einem gewaltigen Fachwissen, aber eine Kristallkugel hat er auch nicht. Er ist berühmt, weil er per Zufall den 1987er-Crash korrekt prognostiziert hat. Seitdem wird er in allen Medien als eine Art Merlin der Finanzmärkte angepriesen. Dass er seit damals nie wieder eine brauchbare Prognose abgegeben hat, wird hingegen nicht erwähnt. Er hat einfach gemerkt, was die Anleger hören wollen und bietet dazu hohen Unterhaltungswert. Aber in Bezug auf unseren Anlagerfolg helfen weder Marc Faber noch all die anderen Propheten weiter.

Ebenso wenig können wir unsere Aktien mit Stop Losses, Put-Optionen, Leerverkäufen, Mini-Futures oder ähnlichem schützen. Das ist eine Illusion. Solche Massnahmen führen langfristig nicht zu besseren, sondern zu schlechteren Resultaten. Sie glauben mir nicht? Probieren Sie es aus und schreiben Sie mir nach ein paar Jahren über Ihre Erfahrungen!

Es gibt für langfristig orientierte Anleger nur einen einzigen Weg, wie man einen Börsenabsturz einigermassen glimpflich überstehen kann: Fehler vermeiden!

Fehler, die sich meistens erst nach einem Crash manifestieren. Fehler, die dazu führen, dass Sie nach einem Absturz mit einem Depot dastehen, dass sich jahrelang nicht mehr richtig erholt, während Sie zusehen müssen, wie der Gesamtmarkt allmählich wieder steigt. Das tut weh, kann aber definitiv vermieden werden.

Um herauszufinden, ob sich in Ihren Aktienpositionen möglicherweise verheerende Fehler verbergen, sollten Sie die folgenden Fragen beantworten. Seien Sie dazu völlig ehrlich mit sich selbst.

Dazu empfehle ich Ihnen, sich genügend Zeit zu nehmen. Am besten setzen Sie sich an einen ruhigen Ort und schalten alle elektronischen Geräte aus. Dann machen Sie eine Liste mit Ihren Aktien oder nehmen Sie den Depotauszug zur Hand.

1. Könnten Sie mit ein paar Sätzen bei jeder einzelnen Aktie formulieren, was das Unternehmen genau macht? (Aussagen wie „BASF ist ein Chemieunternehmen“ gelten nicht, das muss viel präziser sein)

2. Kennen Sie den Kaufgrund jeder Aktie? („Onkel Werner hat sie empfohlen, er ist ein Anlage-As“ gilt auch nicht. Es sollten Gründe sein wie: Weltmarktführer, hohe Margen, starke Bilanz, attraktive Dividende etc.)

3. Wissen Sie bei jeder Aktie wie hoch die ungefähre Bewertung beim Kauf war? (hoch, angemessen oder tief)

4. Sind Sie bei jeder Aktie aufgrund eigener Recherchen oder Erfahrungen davon überzeugt, dass das Unternehmen langfristig (7 Jahre+) höhere Gewinne erzielen wird als heute? Könnten Sie die Gründe formulieren?

5. Ist Ihr Depot gut diversifiziert? (ca. 15-25, ungefähr gleich gewichtete Aktien aus unterschiedlichen Branchen, die Mehrheit in Ihrer Heimatwährung)

6. Haben Sie Ihr Depot aus eigenen Mitteln finanziert?

7. Haben Sie eine Ausstiegsstrategie? Wissen Sie genau, aus welchen Gründen Sie Ihre Aktien verkaufen werden? Können Sie formulieren, welche Ereignisse eintreten müssen, damit Sie verkaufen?

 

Wenn Sie alle Fragen mit Ja beantworten können, gratuliere ich Ihnen. Sie wissen, was Sie tun. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Aktien langfristig eine zufriedenstellende Gesamtrendite abwerfen ist gross.

Haben Sie hingegen nur wenige, oder gar keine Fragen mit Ja beantwortet, besteht dringender Handlungsbedarf. Warum ist das so wichtig?

Der Aktienkurs folgt langfristig IMMER der Gewinnentwicklung. Da gibt es keine Ausnahmen. Das muss die Leitlinie für jeden Aktienanleger sein. Mit Unternehmen, die Ihren Gewinn langfristig nicht nachhaltig erhöhen, können Sie kein Geld machen. Dabei ist es völlig unerheblich, welche Strategie Sie verfolgen.

Wenn Sie nicht wissen, was Ihre Aktien bzw. Ihre Unternehmen genau machen, wenn Sie die Zahlen, die Industrie, die Konkurrenz usw. nicht kennen, können Sie logischerweise auch nicht abschätzen, wie sich der Gewinn langfristig entwickeln könnte. Das heisst, Sie befinden sich im Blindflug.

Anleger die sich im Blindflug befinden, konzentrieren sich nicht auf die Unternehmensleistung, sondern auf die Kursentwicklung. Das ist ein grosser Fehler und führt oft zum Verkauf im schlechtesten Zeitpunkt.

Gute Aktien sind fast immer angemessen bewertet. Sie bewegen sich meistens innerhalb ihrer historischen Bewertungs-Bandbreite. Solange sich die aktuelle Bewertung darin bewegt, kann eine qualitativ gute Aktie auf lange Sicht grundsätzlich gekauft werden.

Aber manchmal verlassen Aktien ihre übliche Bandbreite und notieren entweder weit unterhalb oder weit oberhalb. Geschieht Letzteres sind die Papiere stark überbewertet. Anleger müssen darauf achten, in solchen Phasen nicht zu kaufen.

Denn mit massiv überbewerteten Aktien kann langfristig keine befriedigende Gesamtrendite erzielt werden. Selbst dann nicht, wenn die Aktienqualität hoch ist. Noch viel schlimmer ist aber die Kombination schlechte Aktienqualität/ausgeprägte Überbewertung. Sie ist der direkte Weg zum Anlagefiasko.

Ein Teil Ihrer Anlagen wird sich nicht wie gewünscht entwickeln. Es wird Ihnen nicht gelingen, alle Unternehmen bezüglich ihrer künftigen Gewinne korrekt einzustufen. Und es werden Ereignisse eintreten, die Sie nicht vorhersehen können. Deshalb ist es zentral, dass Sie diversifizieren und so das Einzelaktien-Risiko auf ein vernünftiges Mass reduzieren.

Mit Kredit zu investieren ist lustig und profitabel auf dem Weg nach oben. Stürzen die Märkte ab, werden Sie ruiniert. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, dass jeder Anleger nur mit seinem eigenen Geld investiert.

Man sollte immer möglichst langfristig in einer Aktie investiert sein, um so von den fundamentalen Vorzügen optimal zu profitieren. Oder um es mit den Worten Warren Buffetts auszudrücken: "Zeit ist der Freund guter Unternehmen!" Eine Aktie zu verkaufen nur weil der Kurs fällt, ist ein grosser Fehler und führt zu einer unbefriedigenden Gesamtrendite.

Aber es gibt natürlich schon Verkaufsgründe. Sie hängen letztlich von Ihrer Strategie ab. Die beiden wichtigsten sind:

Wenn sich die Faktenlage ändert und Sie zum Schluss kommen, dass das Unternehmen langfristig seinen Gewinn nicht mehr nachhaltig steigern kann.

Oder Ihre Aktien sind extrem überbewertet. In diesem Fall ist es angezeigt, zumindest einen Teil Ihrer Position zu verkaufen.

Letztlich muss die Verkaufs-Kriterien jeder Anleger selber festlegen. Jedenfalls ist es ein grosser Fehler, kein Ausstiegsszenario zu haben.

 

Das Fazit:

Um einen massiven Kurssturz langfristig unbeschadet zu überstehen, sollten Sie ein gut diversifiziertes Depot mit Aktien besitzen, die beim Kauf vernünftig bewertet waren und bei denen die Chancen gross sind, dass sie langfristig höhere Gewinne erwirtschaften als heute. Sie haben nichts auf Kredit gekauft und Sie wissen bei jeder einzelnen Aktie, wann Sie aussteigen werden.

Ich empfehle Ihnen, Ihr aktuelles Depot genau zu prüfen und entsprechend anzugleichen.

Das erfordert in der Regel etwas Zeit und kann mit einem erheblichen Aufwand verbunden sein. Aber es lohnt sich. Den grossen Aufwand haben Sie am Anfang, ist das Depot einmal intelligent zusammengesetzt, gibt es nicht mehr sehr viel zu tun. Sie können dann mit einigen wenigen Stunden pro Jahr die Früchte Ihrer Arbeit geniessen.

 

Christian Pickel/topdiv.com